Öfter erreichen mich Anfragen, ob ich die in den Reparaturanleitungen erwähnten Spezialwerkzeuge habe, verleihe oder verkaufe.

Dazu nun ein Zitat aus einer meiner diversen Emailantworten:
Ich habe selbst kein einziges der sogenannten Spezialwerkzeuge! Die gab es eigentlich nur für Händler zu kaufen. Die Händler hatten es und das Zeug ist wohl leider inzwischen alles beim Schrott. Allerdings braucht man das Meiste gar nicht, denn es dient nur der Erhöhung der Arbeitsgeschwindigkeit. Die SACHS-Motordienste mußten ja mit Rücksicht auf die Kosten schneller fertig werden als unsereiner.
Mit Sachverstand kann man jedoch alle Motoren auch ohne Spezialwerkzeug reparieren, obwohl es mit dem Werkzeug leichter und schneller geht. Man muß nur so einfallsreich wie ein Russe sein. Die Jungs basteln irgendwo in der Taiga völlig ohne Anleitung an Ladas herum und kriegen sie auch immer zum Laufen...

Kolbenbolzen sitzen bei Zweitaktern konstruktiv bedingt recht fest im Kolben, weshalb man den Kolben mit einer Gasflamme rund um das Pleuelauge erwärmen sollte und ein Ausdrücker ganz praktisch ist. Den gibt es nach wie vor bei Louis, Polo, Hein Gericke usw. für ein paar Euro siebzig.

Abzieher mit zwei oder drei Armen für innen und außen gibt es für kleines Geld in jedem Baumarkt. Für Polräder von Lichtmaschinen sind diese Abzieher nicht zu empfehlen, denn die Polräder sind recht weich, so daß sie sich verbiegen können. Außerdem besteht die Gefahr, daß man beim ansetzen des Hakens durch die Löcher im Polrad die Wicklung(en) darunter beschädigt!

Polrad- und Kupplungsabzieher mit Gewinde gibt es unter anderem bei Polo, Louis und Götz. Bei BOSCH-Lichtmaschinen von Fahrmotoren hat das Polrad fast immer das Gewinde M 26 x 1,5 und der SACHS-Fliehkraftkupplungsabzieher M 22 x 1,5. Diese Kombination gibt’s bei Louis als 10003949 . Ohne Gewinde für die Fliehkraftkupplung bei Louis als 10003953 und bei Polo als 60170400260. Abzieher mit anderem Gewinde muß man sich manchmal anfertigen lassen, wenn wirklich nichts mehr geht.
Einspannvorrichtungen für den Motor braucht nur eine Werkstatt, wenn sie oft Motoren repariert. Hier kann man sich meistens mit Aluschutzbacken für den Schraubstock behelfen.

Spezialschlüssel kann man sich oft aus Flacheisen selbst fertigen. Hier ist eine Selbstanfertigung angeraten, denn wir haben mehr Zeit als die Profis.
Schutzhülsen für die Simmeringmontage kann man z. B. durch Tesafilm, das man über die Kanten der Welle klebt, ersetzen. Wer perfekt sein will und eine Drehbank hat, der misst an den Wellen und dreht sich selbst aus Aluminium diese Hülsen. Sie dienen nur dazu, ohne den Simmering zu verletzen, über die scharfen Kanten der Welle zu kommen.

Gegenhalter kann man oft durch einen Ölfilterschlüssel mit Band ersetzen, wie man sie im Baumarkt bekommt. Diese Ölfilterschlüssel sind stufenlos verstellbar und man muß nur einen verläßlichen Punkt finden, wo man sie anlegt, um ein eventuelles Mitdrehen von Teilen zu verhindern. Ritzelgegenhalter wie den abgebildeten baut man sich aus einem Stück alter Kette und Flachstahl. Den Hakenschlüssel gibt es wieder im Werkzeugladen.
Mit ein wenig Kreativität kommt man immer ans Ziel. Bis jetzt habe ich schon an soviel verschiedenen Motoren geschraubt, daß ich es mir gar nicht hätte leisten können, mir jedesmal das Spezialwerkzeug zu kaufen oder nach Maß anzufertigen!